Vollpension und Vogelfotographie

20. Mai 2017

Veszna erklärt uns den serbischen Naturschutzansatz

Die Kleinlandwirte Vesna und Bence bekochen uns in ihrem Garten aus dem Wog heraus, der auf einer kleinen Feuerstelle am Boden errichtet ist. Es gibt Serbische Bohnensuppe mit Schaf-Fleisch, dazu Jungzwiebel, Brot und einen Cuvee verschiedener Schnapssorten, Bier, Tee und Kaffee. Das meiste Gemüse wird selbst angebaut. Inmitten der weiten Puzta in Nordserbien haben sie ihr bescheidenes Häuschen und vermieten 4 Betten für Fotographen mit Vollpension um € 30,-/Tag. Dazu gibt es 3 Fotostände in unmittelbarer Umgebung mit angelegten Hecken, Nistkästen und Teichen. Die Benutzung dieser Stände ist um einen kleinen Aufpreis pro Tag erschwinglich. Wichtig ist, dass bei dieser Art von Ökotourismus die Eigentümer selbst dafür gesorgt haben, dass sich die Vögel auf ihrem Grund wohlfühlen und für die serbische Landbevölkerung € 200,- pro Monat das Durchschnittseinkommen darstellen. Die Ranger der 5 umliegenden Naturparke bringen die Gäste zu den Häuschen und holen sie auch wieder ab.

Der 7 Meter hohe Hochstand gibt einen guten Überblick übers Gelände

Wir setzten uns in den bequemen Hochstand, indem 3 gemütliche Bürosessel auf uns warten. Unsere Getränke haben wir mitgenommen, wir werden die nächsten 3 Stunden hier verbringen. Die Lucken öffnen sich nach innen. Von außen undurchsichtiges Glas verhindert, dass wir von den Vögeln wahrgenommen werden. Die Lucken sind je nach Sonnenstand nach Westen oder Osten bzw. nach Norden zu öffnen. Nur 5 Meter vom Fenster entfernt befinden sich 7 Nistkästen für Falken und Blauracken.

Otto zeigt uns die Besonderheiten und erklärt uns die Verhaltensregeln auf dem Hochstand

Die Rotfußfalken paaren sich gerade und führen ihre Balz- und Abwehrflüge durch. Die Männchen bringen Beute und übergeben sie den Weibchen, die hier bei den Nestern warten. Dann legen sich die Männchen in die Nester während die Weibchen jagen. 2 Turmfalkenpärchen brüten gleich nebenan und werden immer wieder von Dohlen belästigt. Die Blauracken lassen sich nichts gefallen. 2 Brutpaare brüten hier im Abstand von 10 Meter.

5 Meter vom Fenster entfernt und mit der Handykamera fotografiert balzt dieses Turmfalken-Pärchen

Für ein Starenpärchen ist auch noch Platz. Im Gebüsch in 10 Meter Entfernung balzen 2 Schwarzstirnwürger und vertreiben gemeinsam ein weiteres Pärchen, das sich hier auch ansiedeln möchte. Turteltauben fliegen immer wieder durch das dargebotene Schauspiel. Uns bleibt die Spucke weg. Mit soviel Aktionismus haben wir nicht gerechnet. Otto Szekeres, Oberranger seines Gleichen hat uns nicht zuviel versprochen.

Ein Laubfrosch möchte zu uns herein

Ein Storchenhorst lockt einen Weißstorch zum Verweilen. Aus unserer Position können wir ins Nest schauen. Der Hochstand liegt über den Nestern. Am Hochstand selbst sind noch 4 Nistkästen angebracht. Auf die Idee einen derartigen Stand zu errichten, kam der Sohn von Otto, Levente Szekerez, der mit seinen 18 Jahren inzwischen zu den Top-Naturfotografen Serbiens zählt. Seine Bilder schmücken die Prospekte der Naturparke.

Die Zimmer sind modern mit eigenen Sanitärräumen

Nach unserem Ansitz gibt es Abendessen. Vesna und Bence unterhalten uns in 5 verschiedenen Sprachen. Slowenisch, Serbisch, Ungarisch, Deutsch und Englisch. Früher haben sie selbst aktiv im Naturschutz gearbeitet und an forderster Front für die Erhaltung der Puzta gekämpft. Immer wieder wollten Politiker die unfruchtbare Gegend aufforsten. Heute hat man mit invasiven Robinien, Götterbäumen oder Papageipflanzen zu kämpfen. Den Naturwald, den es auf diesen Flächen nicht gibt, weil entweder Salzböden es verhindern, oder der fehlende Niederschlag, der hier im Mittel bei 250 Liter im Jahr liegt, will man mit teuren Beregnungen erzeugen. Das Wasser kommt aus dem Untergrund, denn was viele nicht wissen: Serbien und Ungarn sitzen auf den größten Grundwasservorkommen Europas. Über 15 Kilometer tief ist das pannonische Becken und gefüllt mit fossilen Süßwasservorräten. Den ganzen Beitrag lesen »