Artenschutztag in Stainz/Straden

15. Mai 2016

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Mit einem zweigeteilten Tagesprogramm zum Kennenlernen heimischer Pflanzen und Vogelarten zeigte Bernd Wieser im Naturschaugarten und auf dem Pirz, bzw. Rosenberg die Schönheiten der Lebensräume. Am Vormittag gab es eine Einschulung in die Wiesenlebensräume. Wie wird aus einer Fettwiese ein artenreicher Lebensraum und was unterscheidet diese Lebensräume von Wirtschaftswiesen. Eine Grundlage bilden die Gräser, die einem helfen eine Fettwiese zu erkennen. Wenn die Obergräser dominieren und kaum Untergräser erkennbar sind, handelt es sich fast immer um eine Fettwiese. Einige Beispiele für häufige Obergräser sind das Knaulgras, der Flaumhafer, das Honiggras oder das Wiesen-Lieschgras. Die Untergräser, die wir durchgemacht haben, sind Wiesen-Rispengras und Zittergras. Während die Kleearten Rotklee, Weißklee oder Hybridklee sowie die Saat-Luzerne meistens in neu angelegten Wechselwiesen zu finden sind, kann man in Magerwiesen etwa den Kleinen Klee, den Bergklee oder den Mittleren Klee beobachten. Zusätzlich erscheinen einige Wickenarten bei später Mahd. Zu viele Wicken oder zu viel Klee kann für die Tiere gefährlich werden. Ebenfalls gefährlich ist die Herbstzeitlose, welche jedoch im Heu vom Vieh verschmäht  und ausgespuckt wird. Einige extensive Wiesenzeigerpflanzen sind Kleiner Klappertopf, Acker-Witwenblume oder Kriechender Günsel. Sie deuten auf den Rückgang der Beschattung durch Obergräser. In der Fettwiese ist der Löwenzahn dominant, aber auch der Wiesenpippau kann dort wachsen. Eine Liste mit ca. 350 heimischen Wiesenarten mit einer Reihung nach ihrer Häufigkeit wurde an die Teilnehmer verteilt. Ein kurzer Abstecher auf eine Feuchtwiese mit Knabenkrautbestand zeigt den Unterschied im Wasserhaushalt bei den Flächen auf. Sehr selten sind sie schon geworden, die Wiesenorchideen. Durch Drainagen, Düngung oder frühe Mahd verlieren sich diese beeindruckenden Naturwunder schnell.

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Der Nachmittag bringt uns dann die heimischen Brutvogelarten näher. Im Naturschaugarten gibt Bernd Wieser eine Übersicht über die Lebensräume der heimischen Vogelarten weiter, wobei deutlich wird, dass mehr als die Hälfte der Vogelarten durch menschliche Aktivität, bzw. Gestaltung der Landschaft profitierten. In der Siedlungsnähe leben immerhin mindestens 25-30 Arten. Darunter der Weißstorch, die Türkentaube, die Zwergohreule oder der Mauersegler. Im Garten sehen wir kürzlich ausgeflogene Elstern, Sumpfmeisen, Hausrotschwänze, Grünfink, Bachstelzen, Feld- und Hausspatzen sowie Stare. Wir fahren ins Gelände. Im Freiland gehen die Arten zurück. Rebhuhn, Wachtel, Feldlerche, sie alle sind selten geworden, bzw. schon ausgestorben.  Doch noch gibt es die Blauracke, das Schwarzkehlchen oder den Wiedehopf. Das ist auch der Auftrag an den Naturschutz, diese letzten Naturgüter zu verteidigen. Vom Naturschaugarten geht es zu den Blauracken, die gerade ihre Signalflüge vollführen. 5 Brutplätze sind bereits besetzt und wir hoffen, dass diese Plätze auch erfolgreich bebrütet werden. Noch kann man dazu nichts sagen. Mäusebussard, Wespenbussard und Turmfalke werden gesichtet, ebenso wie das Schwarzkehlchen, der Fasan oder die Rauchschwalben, die die offenen Flächen bejagen. Hohltauben zeugen von der Spechtaktivität im Gelände. Hohltauben sind wie viele andere Arten Folgebewohner von Spechthöhlen. In den Vogelnestern gibt es Parasiten. Deshalb räumen einige Arten die alten Nester aus. Andererseits hat so ein Vogelnest seine ganz eigene Biologie. Da gibt es z. B. in Starnestern schon nach kurzer Zeit die Rosenkäfer als Untermieter, aber auch für Bienenstöcke gefährliche Wachsmotten entwickeln sich dort. Das kompostierte Vogelnest beherrbergt eine eigene Lebensraumgemeinschaft. Wir fahren noch auf den Rosenberg um einige seltenere Vögel zu suchen. Den Gartenrotschwanz, den Girlitz oder den Wiedhopf sehen bzw. hören manche Exkursionsteilnehmer. Die kürzlich geschlüpften Stare und Hausrotschwänze begleiten uns auf der ganzen Wegstrecke. Grün-, Schwarz- und Buntspecht werden gesichtet. Zum Schluss gibt es noch eine Wiederholung der Wiesenpflanzen auf einer Pachtfläche des Vereines, bevor man sich wieder nach Hause begibt um das Gesehene erst mal zu verdauen. Einen Dank auch noch an Franz Samwald, den wohl erfahrendsten Vogelkenner der Steiermark, der sich der Exkursion angeschlossen hatte und manche aufschlussreiche Erklärung gab. Den ganzen Beitrag lesen »